Bericht: Wiedereröffnung der Münchner Kammerspiele

Theater sind wie Eisberge. Der Zuschauer sieht nur einen Bruchteil dessen, was das Theater ausmacht: Foyer, Zuschauerraum und Bühne. Der ganze angegliederte Apparat bleibt in der Regel verborgen. Auch bei der Wiedereröffnung der Münchner Kammerspiele erleben die Besucher mit dem sanierten Schauspielhaus nur 13% des Theaterbetriebes. Das im Innenhof des so genannten Riemerschmid-Blocks an der Maximilianstraße gelegene Haus errichtete Max Littmann 1901. Richard Riemerschmid stattete den Jugendstilbau aus. Die Kammerspiele strahlen nun wieder in den kräftigen, der Originalbemalung entsprechenden Farben. Hinter liebevoller Bemalung und feinen Stuckarbeiten verbergen sich modernste Haus- bzw. Bühnentechnik und nicht zuletzt aufwändige konstruktive Sanierungsmaßnahmen, wie etwa das Verstärken maroder Wände und Decken. Um Riemerschmids Stuckornamente nicht zu beschädigen, öffnete man zu diesem Zweck die Decken in Foyer, Kassen- und Zuschauerraum von oben. Im Parkett des Zuschauerraums ist eine moderne Lüftungsanlage integriert. Die Bestuhlung wurde ausgetauscht, ein Orchestergraben, der auch als Sitzfläche dienen kann, eingezogen. Die intime Theateratmosphäre entsteht nicht nur durch die Beschränkung auf 722 Sitzplätze und den tief in den Raum gezogenen Rang. Auch die Innenausstattung Riemerschmids - der sich bis zum Bau der Kammerspiele nur als Maler- und Möbelentwerfer betätigte - trägt dazu bei.